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Streiten lernen

Zufriedene Paare haben bessere Chancen auf ein gesünderes und längeres Leben und auch Kinder profitieren davon in vielfacher Hinsicht. Doch was gehört zu einer auf Dauer zufriedenen Beziehung? Nicht nur der richtige Partner, sondern auch der richtige Umgang miteinander – in unterschiedlichsten Situationen und in sich immer wieder verändernden Lebenslagen. Im alltäglichen Stress kommt es schnell einmal zu einem unbedachten Wort oder einer Zurückweisung. Jetzt geht es darum, auch in einer Konfliktsituation gegenseitiges Verständnis zu entwickeln.

Damit ein Streit in einer respektvollen und wohlwollenden Klärung und nicht in Zank oder ungemütlichem Schweigen mündet, empfiehlt es sich:

  • sich der gegenseitigen Aufmerksamkeit zu versichern.
  • Verallgemeinerungen ("immer", "nie") zu vermeiden und stattdessen mitzuteilen, in welchen konkreten Situationen der Konflikt für den Einzelnen spürbar wird.
  • konkrete Verhaltensweisen (nicht Eigenschaften) zu nennen, die unangenehm und welche wünschenswert sind.
  • von den eigenen Gefühlen, Gedanken und Bedürfnissen zu sprechen.
  • einander gleichermaßen aufmerksam zuzuhören. Zuhören heißt noch nicht zustimmen.
  • offene, interessierte Fragen zu stellen.
  • Sich darüber auszutauschen, ob und wie man die Anliegen des anderen verstanden hat. Erst dann kann überlegt werden, was beide zum Entgegenkommen oder zu einer Lösung beitragen könnten.

Elternfrage: Dürfen wir uns vor den Kindern streiten?

Ja, aber nur wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihnen das überwiegend so gelingt wie oben beschrieben. Dann geben Sie auch ein gutes Vorbild für Ihre Kinder ab. Allerdings sollten Sie sich von den Kindern nicht ablenken lassen.

Wie Sie noch besser miteinander umgehen, können Sie in den bundesweit angebotenen Paarkommunikationstrainings lernen. Einige der öffentlich geförderten Programme sind wissenschaftlich umfangreich überprüft und haben sich als nachhaltig wirksame Unterstützung in Beziehungsfragen und Kindererziehung erwiesen. Programme wie "Ein partnerschaftliches Lernprogramm (EPL)" und "Konstruktive Ehe und Kommunikation" (KEK) etwa sind empirisch abgesicherte deutsche Angebote des Paarkommunikationstrainings.

(Autoren: Dr. Joachim Engl und Dr. Franz Thurmaier, Diplompsychologen)