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Kinder- und Jugendhilfe: Inobhutnahme eines Kindes oder Jugendlichen

Probleme in Familien können mit Beratungen und Erziehungshilfen angegangen werden. Befindet sich jedoch ein Minderjähriger in einer akuten Krise oder dringenden Gefahr, ist es notwendig, intervenierend einzugreifen: Kinder und Jugendliche können vorübergehend in Obhut des Jugendamtes genommen werden.

Zum Wohle des Kindes

Die Inobhutnahme ist eine Schutzmaßnahme zum Wohle von Kindern und Jugendlichen. Betroffene können sich selbst in Obhut begeben, indem sie sich zum Beispiel bei einem Kinder- und Jugendnotdienst oder dem Jugendamt melden. Aber auch Dritte, wie die Polizei oder Betreuerinnen und Betreuer, können auf die Situation aufmerksam machen.

Das Kind oder der Jugendliche kann dann - je nach Alter und individueller Situation - bei einer geeigneten Person (zum Beispiel einer Pflegefamilie), in einer geeigneten Einrichtung (zum Beispiel in einer betreuten Wohnform) oder in einer sonstigen Wohnform (zum Beispiel einer Mädchenzufluchtsstätte) untergebracht werden.

Prozesse bei der Inobhutnahme

Die Aufnahme ist jederzeit, auch nachts und am Wochenende, möglich. Während des Aufenthaltes in einem Notdienst übt das Jugendamt vorübergehend das Personensorgerecht aus, wobei die Eltern zu benachrichtigen sind. Mit dem betroffenen Kind wird die Familiensituation besprochen und Möglichkeiten der Hilfe, auch für die Familie, aufgezeigt.

Sollten die Eltern auf die Rückkehr des Kindes nach Hause drängen, obwohl es Anhaltspunkte gibt, dass das Kind dort gefährdet ist, hat das Jugendamt das Familiengericht anzurufen. Bis zur Entscheidung des Gerichts bleibt der schützende Aufenthalt in einer Einrichtung oder Pflegefamilie bestehen. Pflegeeltern können laut Familienverfahrensgesetz in allen Prozessen, die das Pflegekind betreffen, hinzugezogen werden.