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Auszug der Kinder: Eltern gestalten ihren Alltag neu

Wenn Kinder ausziehen, verändert sich zuallererst die Haushaltsführung: Eltern müssen weniger einkaufen, weniger waschen, weniger aufräumen. Die Organisation des Alltags wird leichter, Eltern haben mehr Zeit für sich – aber es wird auch still in der Wohnung.

Ein neuer Lebensabschnitt gibt immer auch die Möglichkeit zur Veränderung und Verwirklichung lange geplanter Projekte. Der neu gewonnene Freiraum, die neue Freizeit kann nun mit eigenen, bisher vielleicht zurückgestellten Interessen gefüllt werden. Spontane Ausflüge, Reisen, alte und neue Hobbys werden möglich.

Auch die Partnerschaft geht in eine neue Phase. Gespräche drehen sich nicht mehr um Schulprobleme, die Frage nach dem Nachhausekommen der Kinder oder andere Erziehungsgrundsätze. Jetzt kann es an der Zeit sein, über sich als Individuen und als Paar neu zu sprechen. Vielleicht lösen neue Ideen oder Vorhaben die bisher vorherrschenden Themen der Kindererziehung oder Alltagsorganisation von ganz allein ab. Vielleicht braucht es aber auch eine kleine Eingewöhnungsphase. Dann helfen gemeinsame Aktivitäten meist weiter: Das Singen in einem Chor, ein Wochenendtrip nach Paris, eine lange Fahrradtour in die Umgebung oder Gespräche über die gemeinsame Buchlektüre. Vielleicht kommen auch ehrenamtliches Engagement, die Mitarbeit in einem Verein oder politische Aktivitäten in Frage. Zudem bringt gewiss die Erinnerung an die Zeit ohne Kinder viele Anregungen.

Elternfrage: Unser Sohn ist vor einiger Zeit ausgezogen. Jetzt überlegen wir, unser Zuhause etwas umzugestalten.

Natürlich müssen Sie sich dafür nicht die Erlaubnis Ihres Kindes holen. Beziehen Sie es trotzdem mit ein: Erzählen Sie ihm von der Idee und sagen ihm im Vorfeld, was aus seinen ehemaligen Lebensräumen werden soll. Ist Ihr Kind in eine andere Stadt gezogen und kommt an den Wochenenden nach Hause, braucht es weiterhin sein Bett und Raum für sich selbst. In anderen Fällen können Sie sich das lang ersehnte Arbeits-, Hobby- oder Musikzimmer einrichten oder das Wohnzimmer ganz neu gestalten. Diese Veränderung ist nicht nur für die Eltern schwer – auch für das Kind ist es nicht leicht, "sein" Zuhause mit anderer Tapete, anderen Möbeln und einem anderen Zweck zu sehen. Aber etwas Neues beginnt, wenn ich mich von Altem trenne. Kinder gehören auch nach dem Auszug zur Familie, aber eben nicht mehr zur Hausgemeinschaft. Sie sind nicht mehr das "Versorgungsinstitut" Ihrer Kinder, aber Sie bleiben Ratgeber, Unterstützer, Begleiter, Partner, Vertraute – eben Eltern.

(Autorin: Ute Lindemann-Degen, Pädagogin)