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Schlafen, einschlafen, durchschlafen

Selbst wenn ein Säugling bereits einen stabilen Rhythmus entwickelt hat, ist an ein Durchschlafen noch nicht zu denken. Und auch älteren Kindern bereitet das Thema Schlafen noch häufig einige Probleme: Das Ein- und Durchschlafen klappt noch nicht, das Zubettgehen wird mit allen Mitteln hinausgezögert oder das Kind zieht in der Nacht regelmäßig ins Elternbett um.

In den ersten drei Monaten schlafen Säuglinge durchschnittlich 15 bis 16 von 24 Stunden, die sich auf etwa sechs Schlafphasen verteilen. Doch wie bei vielen anderen Entwicklungen gilt auch für das Schlafen: Jedes Kind ist anders und Abweichungen vom Durchschnitt sind völlig normal. Frühestens mit vier bis sechs Wochen wird das Schlafverhalten allmählich regelmäßiger und ein Säugling beginnt, sich langsam auf einen Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen. 

Bis zum sechsten Lebensmonat ist es völlig normal, dass ein Baby nachts ein- oder mehrmals aufwacht: Es benötigt auch während der Nacht eine oder mehrere Mahlzeiten. Nach dieser Zeit fangen sie an, die ganze Nacht durchzuschlafen und ohne Stillen oder Fläschchen auszukommen. Viele Kinder – es sind ungefähr 40 Prozent – wecken ihre Eltern jedoch bis zum ersten Lebensjahr noch regelmäßig nachts auf. Einen stabilen Schlafrhythmus haben die meisten erst mit Beginn des zweiten Lebensjahres.

Eltern können ihrem Kind helfen, einen Schlafrhythmus zu finden.

  • Schon ganz kleine Säuglinge verfügen über eine gewisse, wenn auch beschränkte Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und selbstständig einzuschlafen. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen, indem sie es nicht immer an der Brust oder auf dem Arm einschlafen lassen. In der Regel ist es günstiger, wenn das Baby zum Einschlafen in sein Bettchen gelegt wird; auch ein ruhiges Ritual, etwa ein Gute-Nacht-Lied, kann helfen.
  • Wenn Kinder nachts sehr oft aufwachen, bekommen ihre Eltern nicht genügend Schlaf – manchmal über Wochen und Monate. Kein Wunder, dass man sich da müde, wie erschlagen und vielleicht auch deprimiert und mutlos fühlt. Eltern können beim nächsten Vorsorgetermin mit ihrem Kinderarzt oder ihrer Kinderärztin über ihre Situation sprechen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Es ist gut zu wissen: Diese erste Zeit geht vorüber!
  • Wenn ein Kindergartenkind Probleme beim Durchschlafen hat, liegt das oft an den zahlreichen Eindrücken, die es zu verarbeiten hat. Konflikte, die während der „Trotzphase“ ausgelebt werden, belastende Situationen im Kindergarten oder zu Hause sorgen für schlechte Träume und einen unruhigen Schlaf. Manchmal ist es auch einfach zu viel Ruhe, die Kinder abends nicht ins Bett finden lässt. Vielleicht braucht das Kind keinen Mittagsschlaf mehr und eine Ruhepause reicht aus? Oder das Kind braucht tagsüber mehr Bewegung und frische Luft? Erzieherinnen können eventuell Hinweise geben, wenn sich der Schlafrhythmus eines Kindes verändert hat.
  • Bei Kleinkindern kann das Wecken durchaus ein Mittel sein, damit sie zu einem günstigeren Schlafrhythmus (zurück)finden, besonders dann, wenn am Tag Schlaf nachgeholt wird, der in der Nacht versäumt wurde. Dann kann es beispielsweise ratsam sein, Kindern den Mittagsschlaf zu kürzen, indem man sie (sanft!) weckt. Zuvor kann es jedoch sinnvoll sein, sich mit Hilfe eines zwei- bis dreiwöchigen Schlafprotokolls zunächst ein genaueres Bild von den Schlafgewohnheiten und dem Schlafbedarf des Kindes zu machen.

Elternfrage: Unser Sohn ist zwei Jahre alt und bis jetzt haben wir es nicht geschafft, dass er in seinem eigenen Bett schläft. Was können wir tun?

Viele Kleinkinder schlafen gern bei den Eltern im Bett, weil sie sich hier geborgen fühlen. Das ist so lange problemlos, wie alle Beteiligten mit der Situation zufrieden sind. Ist es Ihnen jedoch ein Bedürfnis, dass Ihr Sohn im eigenen Bett schläft, probieren Sie Folgendes: Versuchen Sie ihn an sein Bett zu gewöhnen, indem Sie ihn abends ins Bettchen legen und ein Einschlafritual einführen; singen Sie etwas vor, erzählen Sie eine Geschichte. Sie können sich auch auf eine Matratze neben sein Bett legen und bei ihm bleiben, bis er schläft. Bleiben Sie konsequent. Nach ein paar Tagen gewöhnt er sich sicherlich an sein Bett.

(Autorin: Birgit Storr, Diplompädagogin)