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Schule: Schulnoten

Für manche Kinder sind die ersten Noten eine wichtige Erfahrung. In vielen Klassen entbrennt ein Wettkampf der Schüler um die besten Zensuren. Kinder lernen nun, sich an den eigenen Leistungen und an denen anderer messen zu lassen, mit Enttäuschungen umzugehen und Konsequenzen aus Misserfolgen zu ziehen.

  • Beim Umgang mit dem Thema Schulnoten zu Hause ist es wichtig, auf die nötige Balance zu achten: Eine Portion Gelassenheit vermittelt dem Kind mehr Sicherheit als Strafen und herbe Kritik. Allerdings kann umgekehrt auch übertriebenes Lob Leistungsdruck erzeugen. Manche Kinder sind dann schon frustriert, wenn sie statt eines „Sehr gut“ ein „Gut“ nach Hause bringen.
  • Bei schlechten Noten sollten Eltern versuchen, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, was es beim nächsten Mal besser machen sollte. Vor allem können Eltern dabei helfen, das erschütterte Selbstvertrauen wieder aufzubauen, indem sie auf seine Stärken hinweisen und betonen, dass es eine bessere Note bekommen kann.
  • Lob für Fähigkeiten, die nicht in der Schule bewertet werden – etwa Ordentlichkeit oder Höflichkeit – können helfen, dem Kind mehr Selbstvertrauen zu schenken.
  • Jedes Kind ist verschieden und hat seine eigenen Fähigkeiten. Wer in Deutsch schlecht ist, kann in Mathematik ein Genie sein. Ein anderes Kind wiederum ist besonders musikalisch oder im Sport sehr gut. All diese Stärken sind lobenswert und sollten von Eltern gefördert werden.
  • Wenn sich die schlechten Noten häufen, sollten Eltern das Gespräch in der Familie suchen: Hat das Kind genug Ruhe und Zeit für seine Arbeiten? Könnte es unterstützt werden, etwa wenn Vater, Mutter oder ältere Geschwister Vokabeln abfragen oder das Rechnen üben?
  • Ein Termin mit der Lehrkraft ist ebenso ratsam. Eltern sollten die schlechten Noten ihrer Kinder nicht als Ungerechtigkeit empfinden. Vielmehr sollten sie gemeinsam überlegen, was dem Kind helfen könnte. An vielen Schulen gibt es spezielle Förderkurse, Hausaufgabenhilfen oder Kurse zur Vermittlung von Arbeitstechniken.
  • Nur mit dem Blick auf die „Karriere“ auf gute Noten zu drängen, setzt das Kind unter großen Druck. Grundvoraussetzung für den Lernerfolg ist, dass es gern zur Schule geht, lernen will und selbstständig arbeiten kann. Noten sind manchmal auch eine Momentaufnahme; manche „Spätentwickler“ machen noch einen gewaltigen Sprung.

Elternfrage: Unsere Tochter bringt schlechtere Noten nach Hause als unser Sohn in ihrem Alter. Woran kann das liegen?

Die Noten von anderen Kindern, auch wenn es die Geschwister sind, sollten für Sie keine Bedeutung haben. Ihre Tochter ist durch die schlechten Noten sowieso schon frustriert. Mit dem Vergleich kränken Sie sie zusätzlich und nehmen ihr die Lust am Lernen. Überdenken Sie Ihre eigenen Erwartungshaltungen und gestehen Sie ihrer Tochter die nötige Individualität zu: Sie muss nicht die gleiche Schullaufbahn nehmen wie ihre Geschwister. Wo liegen ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken, die der Bruder nicht hat? Erfolgserlebnisse in diesen Bereichen lassen sie neuen Mut fassen, dass sie bisher schlechte Schulleistungen verbessern kann.

(Autor: Hubert Heeg, Diplompädagoge)