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Werteerziehung

Kinder müssen eine Orientierung für ihr Leben gewinnen. Sie müssen lernen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und zu erkennen, was für sie selbst und für andere Menschen gut oder schlecht ist. Bei der Werteerziehung geht es jedoch nicht um den erhobenen Zeigefinger. Von Werten zu reden, kommt immer an zweiter Stelle. An erster Stelle geht es darum, dass Ihr Kind wertebezogene Erfahrungen macht:

  • von Beziehungen, die verlässlich sind,
  • dass Fairness und Gerechtigkeit auch den Erwachsenen wichtig sind,
  • dass es allen besser geht, wenn man sich an bestimmte Regeln hält,
  • dass es im Leben Grenzen geben muss, für  sich und für andere.

Auf Grundlage dieser Erfahrungen ist Ihr Kind dann für Gespräche über Werte und Moral vorbereitet.

Werte haben vielfach eine religiöse Begründung und Herkunft. Das gilt vor allem für die Nächstenliebe oder die Menschenwürde, die Ihren Ursprung in der jüdischen und christlichen Religion haben und heute auch davon unabhängig die Grundlage moralischer Erziehung bilden. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft unserer Gesellschaft besteht darin, Werte zu finden und eine Erziehung zu unterstützen, die ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung in respektvoller Weise fördern.

  • Ihr eigenes Leben ist der wichtigste Erzieher: Der beste Weg der Werteerziehung besteht darin, Ihre Kinder in die eigene Lebenseinstellung und Lebenshaltung einzubeziehen. Woran Sie Ihr Herz hängen und wofür Sie sich in Ihrem Leben einsetzen, wird meistens auch Ihrem Kind wichtig. Und was Ihnen gleichgültig ist, erscheint oft auch Ihrem Kind nicht besonders wichtig. Deshalb hat die Werteerziehung für viele Eltern auch mit religiösen Überzeugungen zu tun.
  • Auch wenn das Leben in der Familie also selbst erzieht und Sie sich dies mit Blick auf ihren eigenen Lebensstil und ihr eigenes Handeln klarmachen müssen, spielt das Erklären eine wichtige Rolle. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum andere nicht verletzt werden dürfen. So lernt Ihr Kind, das eigene Handeln auch aus der Sicht anderer Menschen zu beurteilen.

Elternfrage: Mein Kind sagt: "Andere Kinder halten sich doch auch nicht an die Regeln!"

Kinder kommen heute mit unterschiedlichen Auffassungen von Werten und Erziehung in Berührung, die sie verwirren und die für Eltern entmutigend sind. Tatsächlich unterstreicht es aber die Bedeutung des Elternhauses als des ersten Ortes, an dem Kinder Werte kennen und schätzen lernen. Darüber hinaus sollten Eltern, dort, wo dies möglich ist - etwa in Kindergärten - das Gespräch suchen und nach den dort vertretenen Werten fragen.Immer richtig bleibt es:

  • dem Kind klarzumachen, dass "unsere Familie" ihren eigenen Weg geht,
  • darauf zu bestehen, dass andere nicht immer Vorbilder sind,
  • dass falsches Verhalten kein Maßstab sein kann,
  • dass man den eigenen Überzeugungen folgen muss. Solche Erklärungen werden Ihr Kind aber nur überzeugen, wenn es erfahren hat, wie wertvoll das harmonische Zusammenleben in der eigenen Familie ist.

(Autor: Prof. Dr. Friedrich Schweitzer, Theologe)