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Kriminalität: Wenn Kinder Grenzen überschreiten

Wenn Kinder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, spricht man von "delinquentem Verhalten". Die Rede von Kinderkriminalität ist nicht zutreffend, da Mädchen und Jungen bis zu ihrem 14. Lebensjahr nicht strafmündig sind, das heißt für ihre Taten noch nicht strafrechtlich belangt werden können. Die Delikte, mit denen sie auffällig werden, spielen sich aber überwiegend im sogenannten Bagatellbereich ab, wie zum Beispiel einfache Ladendiebstähle und Sachbeschädigungen. Gewaltdelikte sind selten.

Oft testen Kinder mit einem solchen Verhalten Grenzen aus. Es ist aber auch die Gelegenheit, die manchmal "Diebe macht": Kinder wollen "den schönen Glitzerstift einfach haben" und bedenken nicht die Folgen ihres Handelns. Manchmal ist das Stehlen oder Beschädigen auch eine "Mutprobe", die gemeinsam in der Gruppe oder allein überstanden werden müssen.

Kindliches Delinquenzverhalten zieht sich durch alle Gruppen unserer Gesellschaft: Der Sohn des Arztes kann genauso betroffen sein wie die Tochter der Pastorin oder der Reinigungskraft. Dabei werden viele Straftaten nicht zur Anzeige gebracht. Im Normalfall vergeht kindliches Delinquenzverhalten von selbst. "Einmal auffällig – immer auffällig" – diese Behauptung stimmt so nicht.

Nur in sehr wenigen Fällen entwickelt sich Delinquenz zu einer "kriminellen Karriere". Prognostizierbar ist dies gleichwohl nicht. Insbesondere Risikofaktoren wie zum Beispiel Gewalt und Alkoholmissbrauch in der Familie erhöhen jedoch das Risiko weiterer Auffälligkeit.

Elternfrage: Unser Kind hat uns Geld aus dem Portemonnaie entwendet. Was können wir tun?

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Eltern, die über die Aktivitäten ihrer Kinder informiert sind und sich für deren Belange interessieren, auch gute Chancen haben, das Kind zum Einstellen seines Verhaltens zu bewegen. Ein klarer Erziehungsstil ist in diesen Fällen durchaus angebracht. Eltern sollten konsequent deutlich machen, was an dem Verhalten ihres Kindes falsch ist und welche Folgen es haben kann. Gleichzeitig sollten Sie sich einfühlend verhalten, freundlich bleiben und Ihrem Kind zuhören. Keinesfalls darf Ihr Kind selbst kriminalisiert werden – vielmehr ist nach den Hintergründen zu fragen: Warum ist mein Kind an mein Portemonnaie gegangen? Wollte es sich einen dringlichen Wunsch erfüllen? Hat es sich vielleicht nicht getraut, nach Geld zu fragen?

Eventuell kann es notwendig sein, die bisher erfolgte Taschengeldregelung zu überdenken oder einen kleinen "Zuverdienst" für Hilfen, wie zum Beispiel im Haushalt, in Aussicht zu stellen. Auch die Rolle der Freunde sollte hinterfragt werden. Vielleicht wollte das Kind vor seinen Freunden gut "dastehen"?

Harte Sanktionen oder gar Körperstrafen sind absolut fehl am Platz, sie können das Problemverhalten noch verstärken.

(Autorin: Dr. Sabrina Hoops, Erziehungswissenschaftlerin)