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Rituale in der Familie

Eine Familie mit zwei Kindern spielt auf dem Fußboden in einem Kinderzimmer. Bildquelle: Meike Gronau / BMFSFJ Vergrößerte Ansicht des Bildes öffnet in externem Fenster

Für Kinder ist das Erleben von Ritualen, das heißt immer wiederkehrenden Regeln und Handlungen, eine wesentliche Voraussetzung für ihre emotionale Entwicklung. Denn regelmäßig Wiederkehrendes gibt uns Sicherheit, Kraft und Orientierung.

Wichtig ist, Familienrituale einzuführen und konsequent durchzuhalten. In der Regel sind Kinder begeistert von solchen Ritualen, weil sie geradezu „handgreiflich“ die Routine des Alltags unterbrechen und die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern intensivieren.

Rituale können ganz kleine Handlungen oder große Feierlichkeiten sein. Sie können beispielsweise kalenderbezogen ein bestimmtes Ereignis, den Übergang von einer Lebensphase in eine andere markieren oder als Alltagsrituale das tägliche Leben gestalten.

Das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte oder biblischer Geschichten, der gemeinsame Spieleabend am Mittwoch oder auch das gemeinsame Schmücken des Weihnachtsbaumes, all dies sind Rituale, die den Zusammenhalt der Familie stärken können. Durch das gemeinsame Erleben fördern Rituale das Gefühl der Zusammengehörigkeit und stärken den Einzelnen in seiner Identität und damit auch das „Urvertrauen“ als das Gefühl, nicht fallen gelassen zu werden.

Familienrituale verlangen von jedem Einzelnen, seinen Platz und seine Rolle zu finden, geben jedem eine Aufgabe: Nur durch das Zusammenspiel aller entwickeln sich die gemeinsamen Handlungen zu einem Ritual – auch dies gibt Kindern die Möglichkeit, ihren eigenen Wert zu erkennen und zu schätzen. Sie trainieren im sicheren Umfeld der Familie eigenes und verantwortungsvolles Handeln für eine Gemeinschaft.

Auf der Suche nach der eigenen Prägung für die Familie sollten sich Eltern nicht unnatürlich überschlagen oder verbiegen. Eine gemeinsame „Kultur“ oder die in der Familie üblichen Rituale stellen sich meist ganz von selbst und mit der Zeit ein. Die Familie sollte gemeinsam daran arbeiten, niemand erwartet von Eltern, dass sie bereits alles „parat“ haben, wenn die Kinder kommen. Es stärkt den Verbund umso mehr, wenn alle Familienmitglieder gemeinsam am Familienleben formen können.

Elternfrage: Wie sollten sich Rituale im Laufe der Zeit ändern?

Dass sich Rituale im Laufe der Zeit ändern, kommt ganz natürlich mit der Veränderung innerhalb der Familie. Was Kleinkindern wichtig ist, etwa die Gute-Nacht-Geschichte, spielt für Heranwachsende keine Rolle mehr. Stattdessen entwickeln sich neue Alltagsrituale, verändern sich und werden dann wieder abgelöst. Familienrituale dürfen nicht zu einer verpflichtenden Institution werden, auf die Sie als Eltern beharren. Anders als bei Alltagsritualen schätzen es viele Kinder, auch die erwachsenen, wenn bei Ritualen wie Festen oder Feierlichkeiten eine gewissen Kontinuität und der gewohnte Ablauf gewahrt werden.

(Autor: Prof. Dr. Albert Biesinger, Theologe)