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Schule: Schulmüdigkeit und Schulverweigerung

Dass Kinder nicht immer gern zur Schule gehen, wissen Eltern aus eigener Erfahrung: Schule macht nicht immer Spaß, sondern bedeutet auch Anstrengung, Anforderungen, Aufregung und erfordert Disziplin. Ernst zu nehmen sind jedoch Schulunlust, Schulmüdigkeit oder Schulverdrossenheit; sie sind Formen der inneren Abkehr vom Unterricht und zeigen sich in großer Lernunlust und Trotz gegenüber Lehrererwartungen. Meist führen sie zu unregelmäßigen Schulbesuchen oder sogar zu kompletter Schulverweigerung. Aus dem Fehlen bei einzelnen Stunden können so schnell Tage werden – ein Zeichen für eine längere oder vollkommene Abkopplung.

Häufig entwickelt sich diese völlige Verweigerung schleichend: Aus einfacher oder vorläufiger Schulunlust wird inneres „Abschalten“ vom Unterricht, aus gelegentlichem Stören und Schwänzen letztlich eine echte Schulaversion und Schulverweigerung.

In der Grundschule

Symptome der Schulmüdigkeit können bereits früh in der Grundschule auftreten. Häufig sind der Grund Ängste vor der Schule und ihren Anforderungen oder Probleme mit Schulkameraden.

Warnsignale können sein:

  • Das Kind hat ein besonders schlechtes Verhältnis zur Lehrerin oder zum Lehrer.
  • Es kommt zu spät oder fehlt häufig wegen unspezifischer und wenig definierter Krankheiten (beispielsweise Bauch- oder Kopfschmerzen).
  • Es verlängert sein Fehlen nach Krankheiten künstlich.
  • Das Kind stört im Unterricht massiv.
  • Schulische Misserfolge, Zeichen von Überforderung und Nichtaufrücken häufen sich.
  • Das Kind ist in der Klasse isoliert, findet wenig Anschluss und reagiert ausweichend auf Personen, die auf ihn/sie zukommen.
  • Es zeigt sich häufig passiv, niedergeschlagen und träge.
  • Das Kind macht nur teilweise oder keine Hausaufgaben.

Im Sekundarschulbereich

Bei Älteren beginnt die Schuldistanzierung oft mit einzelnen Fehlstunden und -tagen, die sich dann immer mehr häufen. Durch die länger werdenden Fehlzeiten fühlen sich die Schüler immer weniger im Unterrichtsgeschehen und der Klasse integriert – ein Teufelskreis: Weil sie Angst haben, sich durch die verpassten Inhalte mit schlechten Leistungen und falschen Antworten zu blamieren, meiden sie den Unterricht immer mehr und geben den Versuch schließlich ganz auf. Viele lehnen lange jede Hilfe ab und behaupten, den Wiedereinstieg in die Schule „ab morgen“ allein zu bewältigen. Doch ein erneuter Einstieg in das Schulleben bedeutet für viele Jugendliche auch, einen geregelten Tagesrhythmus wieder zu erlernen, sich an die Regeln der Schule, der Lehrerinnen und Lehrer anzupassen und ihren Platz in der Klassengemeinschaft neu zu finden.

Häufig gelingt der Einstieg für kurze Zeit, doch fehlende Motivation und Unterstützung führen in den meisten Fällen zu einem erneuten Abbruch. Trotz der Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Schulalltags haben diese Jugendlichen den ernsthaften Wunsch, einen Schulabschluss zu erreichen und eine berufliche Ausbildung zu machen.

Gefährdet sind vor allem Schülerinnen und Schüler,

  • denen eine Bindung zu Lehrkräften und Mitschülern und eine Integration in das Klassen- und Schulleben fehlen,
  • die nicht aktiv an Schule teilhaben und von ihren Eltern nur wenig Unterstützung erfahren,
  • die dann in der Folge nicht an den persönlichen Nutzen von Schule glauben.

Elternfrage: Was können wir tun, wenn unser Kind immer weniger zur Schule gehen will?

Je früher Sie als Eltern reagieren, umso besser kann die Rückeingliederung in die Schule gelingen. Oft ist es an Ihnen als Eltern, die an Ihr Kind gestellten Leistungsanforderungen zu überprüfen und unter Umständen zu senken.

Achten sollten Sie vor allem darauf,

  • keine „blinden“ Entschuldigungen für Ihre Tochter oder Ihren Sohn zu schreiben.
  • mit Ihrer Tochter/Ihrem Sohn über die Unlust und was in der Schule passiert regelmäßig zu sprechen und sich nicht entmutigen zu lassen, wenn er/sie zunächst verschlossen ist.
  • so früh wie möglich zu den Lehrerinnen und Lehrern Kontakt aufzunehmen und sich über den jeweiligen Wissensstand auszutauschen. Treffen Sie Vereinbarungen mit den Lehrkräften über Rückmeldungen zu An- bzw. Abwesenheiten.
  • Ihr Kind bei der Bewältigung des Schulalltags zu unterstützen, indem Sie ihm auch Freiheiten und freie Zeit geben, um sich zu regenerieren.

Für Kinder und Jugendliche, die es trotz familiärer Hilfe und Unterstützung nicht schaffen, in den Schulalltag zurückzufinden, gibt es nunmehr auch regionale Projekte, die ihm neue Möglichkeiten für einen Schulabschluss bieten. Zum Beispiel das Projekt „2. Chance“.

Denken Sie unbedingt daran, dass es dennoch eine ernste Angelegenheit ist: Denn Schulverweigerung kann auch mit Arrest und Geldstrafen belegt werden.

(Autorin: Elke Dörflinger, Diplompsychologin)