Bikulturell aufwachsen
Das Leben in einer bikulturellen Familie ist oft geprägt von sehr verschiedenen Werten und Grundeinstellungen der Eltern, die im Alltag unter einen Hut gebracht werden wollen. Es gibt nicht "die" bikulturelle Familie. Doch die Themen, die diese Familien beschäftigen, sind ähnlich:
- Sprache
- Religion
- Lebensart und Tradition
- Aussehen (Hautfarbe/Kleidung)
- Staatsangehörigkeit
- unter Umständen Aufenthaltserlaubnis und Bleiberecht
Kinder in bikulturellen Familien wachsen mit zwei Sprachen auf, häufig mit zwei Religionen und unterschiedlichen Traditionen. Sie fühlen sich meist an beide Kulturen gebunden, auch wenn sie nur in einem Land aufwachsen. Die zweite Herkunftskultur erleben sie oft im Urlaub.
Für die Kinder stehen die Elternteile stellvertretend für eine Kultur. Das sieht man etwa daran, dass sie zeitweise mit jedem Elternteil in dessen Herkunftssprache sprechen. Sie üben, in ihrem Alltag offen und tolerant miteinander umzugehen, und erleben viele Kompromisse und Bereicherungen – mehr als andere Gleichaltrige: So wird zum Beispiel Ramadan und Weihnachten gefeiert. Die Lebensart und Kultur beider Herkünfte werden im Essen, Trinken, Feiern und Trauern sichtbar. Meist lassen sich die Eltern darauf ein, dass Vater- oder Muttersein anders gelebt wird als in ihrem Herkunftsland.
Die Fähigkeiten, die Kinder in bikulturellen Familien erlernen, sind in der heutigen multikulturellen Gesellschaft sehr gefragt. Sie sind in der Lage, sich auf Menschen anderer Kulturen einzustellen und ihnen eher neugierig als angstvoll zu begegnen.
Elternfrage: Was können wir als bikulturelles Paar unseren Kindern Besonderes mitgeben?
Sie können Ihren Kindern vorleben, wie – neben allen Missverständnissen und Konflikten – ein guter Umgang mit anderen Werten und Traditionen möglich ist. Für die Kinder sind Sie ein gutes Vorbild, wenn Sie respektvoll über Kulturunterschiede sprechen und gemeinsame Vereinbarungen treffen können. Für die Kinder ist es gut, wenn Sie sich in Erziehungsthemen in wichtigen Punkten einig sind. Das Wichtigste für Ihre Kinder ist die Liebe und Geborgenheit, in der sie aufwachsen. Da spielt die Herkunft der Eltern nur eine zweitrangige Rolle. Entscheidend ist, dass sie als Familie ein "Wir" erleben, das sich an Traditionen und Kultur orientiert, ihnen aber nicht immer voll entsprechen muss.
(Autorin: Regina Jauch, Diplompsychologin)
