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Schimpfen, Fluchen, Provozieren - Über den Umgang mit Ausdrücken

Ob die neuen Ausdrücke aus der Kita mitgebracht werden oder im Streit mit dem pubertierenden Sohn fallen - das Alter des Kindes spielt eine entscheidende Rolle, um einschätzen zu können, welchen Zweck für Kinder der Gebrauch von Ausdrücken und Schimpfworten hat.

Schimpfen, um sich auszuprobieren und abzugrenzen

Je jünger ein Kind ist, umso eher können Eltern davon ausgehen, dass ihm die Bedeutung eines Schimpfwortes nicht bekannt ist. So testen Kita-Kinder in erster Linie die Reaktion ihrer Umwelt aus, wenn sie neue Ausdrücke aufschnappen und weiterverbreiten. Sie versuchen, das neue Repertoire an Worten und Verhalten einzuordnen und probieren aus, welche Reaktion sich damit erreichen lässt. Zugleich eröffnen Schimpfwörter Kindern eine neue Möglichkeit, um sich abzugrenzen und einem eigenen Standpunkt Nachdruck zu verleihen. Ältere Kinder werden manchmal zu „Wiederholungstätern“: Sie streuen die Worte nicht mehr als Versuchsballons in die Konversation ein, sondern benutzen sie zur Provokation. Oft fehlt es ihnen an Kompetenz, sich mit sachlichen Worten zu wehren und sinnvoll zu argumentieren.

Jedes Schimpfwort ist ein Übungsanlass für soziale Regeln

Das Vorbild und die Reaktion der Erwachsenen prägen Kinder stark beim Gebrauch von Schimpfworten und Ausdrücken. Wer erfährt, was Beschimpfungen auslösen können, wer nachvollziehen kann, dass man dadurch Freunde verlieren und Menschen beleidigen kann, kann besser einschätzen, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. Dabei sollten Eltern berücksichtigen, dass es für alle schwierig ist, immer die richtige Balance zwischen einem befreienden Fluch und einer Beleidigung zu finden. Wichtig ist deshalb immer, den Weg zur Entschuldigung aufzuzeigen und dieses Verhalten selber vorzuleben.

Der Umgang mit einem schimpfenden Kind ist für Eltern auch deshalb nicht einfach, weil sie sich oft persönlich verletzt oder bloßgestellt fühlen. Hilfreich ist deshalb die Sicherheit, dass Kinder ihre Eltern besonders stark ins Kreuzfeuer von Beschimpfungen nehmen, weil sie sicher wissen, dass sie von Ihnen geliebt werden. Trotzdem sollten Eltern darauf hinweisen, dass eine Beleidigung sie verletzt und traurig oder wütend macht.

Bei Begriffen, die unter die Gürtellinie zielen, kommt zum Ärger die Verlegenheit hinzu. Sprachlosigkeit oder das Vertuschen führen dabei oft dazu, die Neugierde von Kindern noch weiter zu wecken. Auch wenn es nicht immer leicht fällt: Besser ist es, in einem ruhigen Moment noch einmal nachzufragen, was mit dem Begriff gemeint ist, und darauf hinzuweisen, welche Wirkung damit erzielt wird.

Wer sich beim Abendessen nicht ständig über Schimpfworte und Beleidigungen unterhalten will, dem kann eine Schimpfwortkasse helfen, in die Eltern und Kinder gleichermaßen einzahlen. Ob das mit Geld, Gummibärchen oder durch Aktivitäten passiert - die Währung ist nicht entscheidend. Allen wird so noch einmal deutlich, wie häufig Schimpfworte in der Familie benutzt werden. Ausgerechnet Eltern müssen dabei manchmal feststellen, dass sie am meisten einzahlen müssen.