Inhalt

Kinderbetreuung – Frühe Förderung von Anfang an

Kindertagesbetreuung trägt zum guten Aufwachsen aller Kinder bei. Sie verbessert Bildungschancen, Teilhabe und Integration, unterstützt Eltern in ihrem Erziehungsauftrag, ermöglicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wirkt so gegen Familienarmut.

Kinder werden gefördert

Wenn Kinder eine Kindertageseinrichtung, eine Tagesmutter oder einen Tagesvater besuchen, wird ihre sprachliche, motorische und soziale Entwicklung gefördert. Davon profitieren alle Kinder, besonders aber Kinder in ökonomischen Risikolagen, aus stark belasteten Sozial- und Wohnräumen oder aus Familien mit Bildungsbenachteiligung. Für diese Kinder ist die Teilhabe an Bildungsprozessen oft schwieriger.

Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung

Seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab seinem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Dieser Rechtsanspruch kann durch Betreuungsplätze in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege erfüllt werden. Aber auch für jüngere und ältere Kinder gibt es Regelungen, teils auf Bundes- teils auf Landesebene.

Unter einem Jahr

Vor dem ersten Geburtstag hat ein Kind dann einen Anspruch auf Förderung und Betreuung in einer Kita oder einer Kindertagespflegestelle, wenn beide Eltern arbeiten, arbeitsuchend sind oder sich noch in Ausbildung befinden. Darüber hinaus gibt es auch einen Anspruch, wenn die Förderung für die Entwicklung des Kindes notwendig ist. Das regelt § 24 Absatz 1 im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII). Wie viele Stunden das Kind betreut werden kann, richtet sich nach dem individuellen Bedarf.

Ein Jahr bis unter drei Jahren

Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr haben einen Anspruch auf Betreuung und Förderung in einer Kita, bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater – unabhängig davon, ob die Eltern erwerbstätig sind oder nicht. Verankert ist dieses Recht in § 24 Absatz 2 im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII).

Ab drei Jahren bis zum Schuleintritt

Kinder über drei Jahren haben bis zum Schuleintritt uneingeschränkten Anspruch auf Förderung in einer Kita. Die Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, das sind in der Regel die Jugendämter, müssen dafür sorgen, dass ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht. Bei besonderem Bedarf oder ergänzend können Kinder zudem in Kindertagespflege gefördert werden. Das regelt § 24 Absatz 3 im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII).

Schulkinder

Wenn Kinder keine Ganztagsschule besuchen, werden sie nachmittags vielfach in Horten betreut. Dafür sind in vielen Bundesländern die Träger der Kinder- und Jugendhilfe zuständig. Für Schulkinder müssen laut § 24 Absatz 4 im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII) bedarfsgerechte Angebote bereitgestellt werden. Anders als bei den Kindern im Vorschulalter gibt es für Schulkinder laut SGB VIII aber keinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. In einigen Bundesländern gibt es abweichende Regelungen: Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben einen Anspruch in ihre Landesgesetze aufgenommen. Der Betreuungsumfang unterscheidet sich dabei von Bundesland zu Bundesland, genauso wie das Alter, bis zu dem der Anspruch gilt.

Informationen zum Betreuungsumfang

Die Jugendämter sind verpflichtet, Eltern über das Platzangebot im örtlichen Einzugsbereich und die pädagogische Konzeption der jeweiligen Einrichtungen zu informieren und sie bei der Auswahl zu beraten. Daneben können sich Eltern natürlich auch an die Träger selber wenden, wenn Sie Fragen zur jeweiligen Kindertageseinrichtung haben. Bei allgemeinen Fragen zur Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen informieren die Elternbriefe und das Online-Familienhandbuch.

Betreuungsmöglichkeiten finden

Über die Postleitzahlensuche der Rubrik „Familie regional“ finden Eltern das für sie zuständige Jugendamt mit weiteren Informationen. Zum Beispiel Kita-Verzeichnisse oder Anmeldeformalitäten.

Elternbeiträge

Für eine Betreuung werden in der Regel Beiträge fällig. Diese sind regional, aber auch je nach Träger, unterschiedlich hoch. Zwar besteht eine bundesweite Pflicht, Elternbeiträge sozial zu staffeln. Wie diese Staffelungen ausgestaltet werden, liegt jedoch in der Verantwortung der Länder. Die Höhe der Beiträge ist meist vom Einkommen der Eltern, der Zahl der Kinder in der Familie und vom Betreuungsumfang abhängig. Im Bedarfsfall – zum Beispiel wenn Leistungen nach dem SGB II, SGB XII oder AsylbLG bezogen werden – können die Kosten vom Jugendamt ganz oder teilweise übernommen werden. Außerdem sind sie unter Umständen von der Steuer absetzbar. Für Geschwisterkinder muss oftmals nicht der volle Beitrag gezahlt werden.

Betreuungsstandard

Für den konkreten Umfang und den Inhalt des Anspruchs auf einen Betreuungsplatz gibt es keine bundesrechtlichen Vorgaben. Dies wiederum erfolgt durch Landesrecht, das die qualitativen Standards regelt. Dazu gehören zum Beispiel Gruppenstärke, Personalausstattung und Verpflegung.

Kriterien zur Aufnahme

Für die Aufnahme von Kindern und für den zeitlichen Betreuungsumfang können die jeweiligen Kitas, Tagesmütter und Tagesväter oder Horte Kriterien festlegen. Zum Beispiel können sie das Anmeldedatum bestimmen, in welchem Umfang die Eltern erwerbstätig sind, die Entfernung zum Wohnort oder die Konfessionszugehörigkeit. Auch die spezifische familiäre Situation, wie zum Beispiel bei Alleinerziehenden, wird berücksichtigt. Bei der Aufnahme in eine öffentlich geförderte Kindertageseinrichtung darf nicht diskriminiert werden. Hier gelten die Grundsätze des Allgemeinen Gleichbhandlungsgesetzes.

Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten

Länder und Kommunen haben in den vergangenen Jahren das Angebot an Betreuungsplätzen ausgebaut. Der Bund unterstützt sie dabei mit finanziellen Investitionen. Mit diesen Mitteln sind in den vergangenen zehn Jahren rund 400.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren neu geschaffen worden. Mit dem vierten Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ wird bis zum Jahr 2021 die Schaffung 100.000 weiterer Plätze durch den Bund finanziert.

Gute Qualität bundesweit

Ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot alleine schafft noch keine Chancen- und Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und garantiert auch keine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dafür muss auch sichergestellt werden, dass die frühe Förderung qualitativ hochwertig ist und sich an den Bedürfnissen der Kinder ausrichtet. Daher haben Bund und Länder im November 2014 einen gemeinsamen Prozess zur Weiterentwicklung der Qualität der Kindertagesbetreuung initiiert. Anschließend entwickelte eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände Qualitätsziele sowie Vorschläge für Finanzierungsgrundlagen. Der Zwischenbericht „Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ aus dem November 2016 ist das Ergebnis dieser Beratungen. Damit einigten sich Bund und Länder erstmals auf gemeinsame Qualitätsziele für die Kindertagesbetreuung. Im Mai 2017 beschloss die Jugend- und Familienministerkonferenz Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz auf Grundlage des Zwischenberichts.